Wie entsteht ein Bild – Schritt für Schritt?
Viele stellen sich vor, dass ein Bild einfach irgendwo auf der weißen Leinwand beginnt und sich dann frei entwickelt.
Ganz so offen lasse ich es selten. Denn auch wenn Intuition eine große Rolle spielt, gibt es einen festen Ablauf, der meinen Bildern Struktur gibt.
Der erste Schritt: Die Grundierung
Bevor das eigentliche Malen beginnt, bekommt jede Leinwand eine farbige Grundierung. Selbst wenn es nur ein helles Grau ist.
Warum? Diese Grundierung ist wie ein leiser Unterton, der sich durchs ganze Bild zieht und die Farben lebendiger macht.
Eine farbige Grundierung beeinflusst die Stimmung des Bildes. Wenn an manchen Stellen die Grundfarbe leicht durchscheint, trägt sie subtil zur Lichtwirkung bei.
Spannend wird es, wenn ich eine Komplementärfarbe als Grundierung wähle – also z.B. ein warmes Orange unter einer kühlen, blauen Landschaft. Dann bringt das Bild von innen heraus zum Leuchten.
Dann folgt die Untermalung
Nach der Grundierung lege ich die groben Flächen des Bildes an, wie eine Vorzeichnung mit dem Pinsel.
Dabei geht es nicht um Details, sondern um die grobe Anordnung und die Aufteilung von hellen und dunklen Werten.
Die Untermalung ist oft sehr reduziert. Meistens sieht man noch gar nicht genau, was es einmal wird. Aber sie ist mein Leitfaden, der mir hilft, die Balance im Bild zu halten.
Von grob zu fein: Der Malprozess
Anfangs arbeite ich mit großen Pinseln. Das hilft, den Blick für das große Ganze zu behalten, ohne mich in Details zu verlieren.
Erst später kommen kleinere Pinsel zum Einsatz:
Details wie feine Äste, Lichtreflexe oder Strukturen male ich erst am Ende.
Die hellsten Lichter und tiefsten Schatten setze ich ebenfalls ganz zum Schluss. Sie sind die letzten Akzente, die dem Bild Spannung verleihen.
Ein Trick dabei:
Je länger ich mit großen Werkzeugen arbeite, desto lockerer bleibt das Bild.
Details nehmen bewusst nur einen kleinen Teil ein – sonst „überfluten“ sie das Bild schnell.
Lasuren und Farbschichten
Ein wichtiger Bestandteil meiner Technik sind Lasuren. Mehrere Schichten verbinden sich, lassen Farben miteinander verschmelzen und machen das Bild vielschichtig.
Das sind dünne, transparente Farbschichten, die ich über bereits getrocknete Flächen lege.
Durch sie scheinen die unteren Farbschichten durch. Das bringt Tiefe und Lebendigkeit ins Bild.
Oft arbeite ich auch mit einem trockenen Pinsel, also mit sehr wenig Farbe, die ich fast nur sanft über die Leinwand streiche. So entstehen weichere Übergänge, auch ganz ohne Lasuren.
Warum ich mit Acryl male
Acrylfarben geben mir die Freiheit, spontan und schnell zu arbeiten und gleichzeitig komplexe Farbschichten aufzubauen.
• Sie sind deckend und kräftig, lassen sich aber auch verdünnt oder lasierend einsetzen.
• Ich kann mehrere Schichten an einem Tag malen, weil Acryl schnell trocknet.
• Und auch weiche Übergänge lassen sich mit Acryl erzielen: mit Malmedien, Lasuren oder durch sauberes Verblenden.
Der größte Vorteil:
Acryl passt zu meinem emotionalen, dynamischen Malstil.
Wenn ich Feuer und Flamme für ein Motiv bin, möchte ich nicht tagelang warten, bis eine Schicht trocken ist (wie bei Öl).
Acryl hält mit meinem Tempo Schritt und ist dabei flexibel, robust und lichtbeständig.
Ein Zusammenspiel aus Technik und Intuition.
Am Ende ist es genau diese Mischung aus Technik und Intuition, die meine Bilder ausmachen.
Die Technik gibt mir das Gerüst, das mich sicher durch den Malprozess führt.
Aber lebendig wird das Bild erst, wenn ich mich traue, loszulassen, zu reagieren, zu experimentieren, dem Moment zu folgen.
Und das ist vielleicht das Schönste daran:
Jedes Bild wächst Schicht für Schicht, aber irgendwann übernimmt das Gefühl.